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Rehwild

Das Rehwild ist die häufigste Schalenwildart Mitteleuropas – und hat eine eigene Sprache: Der Bock trägt ein Gehörn (kein Geweih), die Paarungszeit heißt Blattzeit, das weibliche Stück Ricke. Diese Seite versammelt die Begriffe der Jägersprache rund ums Rehwild, wie sie in Revier und Jägerprüfung gebraucht werden.

abnorm

Die regelwidrige, vom arttypischen Bild abweichende Form beim Wild, vor allem bei Trophäen. Abnorme Geweihe oder Gehörne entstehen etwa durch Verletzungen oder hormonelle Störungen; bekannte Beispiele sind Korkenzieher- oder Perückengehörne beim Rehbock.

abschlagen

Führende Stücke Schalenwild vertreiben ihren vorjährigen Nachwuchs, damit er selbstständig wird. Das geschieht kurz vor der Setzzeit im Frühjahr – beim Rehwild etwa im Mai, wenn die Ricke ihr neues Kitz erwartet.

anblatten

Das Anlocken des Rehbocks während der Blattzeit durch Nachahmen des Locklauts der Ricke, ursprünglich mit einem Buchenblatt. Der Jäger blattet, um den Bock in Anblick zu bekommen; heute werden meist Blatter aus dem Fachhandel verwendet.

blatten

Das Nachahmen des Fiepens von Ricke oder Kitz mit dem Blatter, um den Rehbock anzulocken. Der Name kommt vom ursprünglich verwendeten Buchenblatt. Die Blattjagd fällt in die Blattzeit, die hochsommerliche Brunft des Rehwildes.

Blatter

Ein Instrument, mit dem sich die Lautäußerungen der Ricke nachahmen lassen. Der Jäger lockt damit während der Blattzeit den Bock heran; vom Blatter leitet sich das Verb blatten ab.

Blattzeit

Die Begattungszeit beim Rehwild, etwa von Ende Juli bis Mitte August. Der Name stammt vom Blatten – dem Nachahmen des Fiepens der Ricke, mit dem sich der Bock in dieser Zeit heranlocken lässt.

fegen

Das Abstreifen des Bastes vom fertig geschobenen Geweih oder Gehörn an jungen Stämmen und Zweigen. Dabei entstehen Fegestellen, die forstlich als Fegeschäden zählen; der Rehbock fegt im Frühjahr, der Rothirsch im Sommer.

Feuchtblatt

Das äußere weibliche Geschlechtsteil bei allem Schalenwild. Es dient beim Ansprechen als Unterscheidungsmerkmal; bei der Ricke ist im Winterhaar die helle Schürze am Feuchtblatt ein wichtiges Kennzeichen zur Unterscheidung vom Bock nach dem Abwerfen.

fiepen

Die Lautäußerung von Ricke und Kitz beim Rehwild. Mit dem feinen Fiepton halten Ricke und Kitz Kontakt; in der Blattzeit lockt das Fiepen der Ricke den Bock. Der Jäger ahmt diesen Laut beim Blatten nach.

Gefege

Der abgefegte Bast des Gehörns oder Geweihs. Beim Fegen streift Reh- oder Hirschwild die abgestorbene Basthaut an Stämmen und Sträuchern ab; die dabei beschädigten Gehölze nennt man Fegestellen, sie zählen zu den Pirschzeichen.

Gehörn

Gehörn nennt die Jägersprache vor allem das Geweih des Rehbocks; in älteren Quellen wird auch der aus bleibenden Hörnern bestehende Kopfschmuck des Steinbocks so bezeichnet. Das Rehgehörn wird jährlich abgeworfen und neu geschoben, die Hörner des Steinbocks bleiben erhalten.

Geiß

Das weibliche Stück beim Reh-, Gams- und Steinwild. Beim Rehwild ist daneben, vor allem im norddeutschen Raum, die Bezeichnung Ricke üblich; die weibliche Gams heißt auch Gamsgeiß, das weibliche Steinwild Steingeiß.

Hexenring

Ein am Boden sichtbarer, kreisförmig niedergetretener Ring, in dem der Rehbock die brunftige Ricke während der Blattzeit getrieben hat. Solche Treibringe entstehen oft um einen Busch oder Baumstamm und sind ein sicheres Brunftzeichen.

Jährling

Der einjährige Rehbock, Muffelwidder oder Gamsbock. Ein Jährling steht in seinem zweiten Lebensjahr; beim Rotwild heißen die entsprechenden Stücke dagegen Schmalspießer bzw. Schmaltier, beim Rehwild das weibliche Stück Schmalreh.

Kitz

Das junge Stück des Reh-, Gams- und Steinwildes im ersten Lebensjahr. Beim Rehwild unterscheidet man Bock- und Geißkitze; die Jungtiere der Hirscharten wie Rot- und Damwild heißen dagegen Kälber.

Knopf

Die kümmerliche, kurze Stange beim Rehbock und Hirsch. Knöpfe sind meist nur wenige Zentimeter lang; schiebt ein junger Bock als erstes Gehörn lediglich Knöpfe, spricht man vom Knopfbock, beim Hirsch vom Knopfspießer.

Knopfbock

Ein Rehbock, der als erstes Gehörn nur Knöpfe geschoben hat. Knopfböcke gelten als körperlich oder veranlagungsbedingt zurückgeblieben und werden im Rahmen der Hege vielerorts bevorzugt erlegt; das Gegenstück bei den Hirscharten ist der Knopfspießer.

nachziehen

Ein Stück Schalenwild folgt einem anderen auf demselben Wechsel. Für den Ansitz ist das bedeutsam: Nach einem ziehenden Stück lohnt es abzuwarten, ob weitere nachziehen — etwa der Bock hinter der Ricke zur Blattzeit.

Pinselricke

Die Bezeichnung für einen versehentlich erlegten Rehbock, der wegen seines bereits abgeworfenen Gehörns für eine Ricke gehalten wurde. Anzusprechen bleibt er am Pinsel, den die Ricke nicht führt; daher rührt der Name dieses klassischen Ansprechfehlers.

Prämolar

Einer der drei vorderen Backenzähne, die dem Zahnwechsel unterliegen. Für die Altersansprache ist vor allem der dreiteilige Milchprämolar P3 wichtig: Sein Wechsel zum zweiteiligen Dauerzahn zeigt beim Rehwild den Übergang vom Kitz zum Jährling an.

Ricke

Das weibliche Stück Rehwild. Die Bezeichnung gilt ab dem zweiten Lebensjahr; im ersten Jahr spricht man vom Kitz, im zweiten vom Schmalreh. Nicht zu verwechseln mit dem Tier, dem weiblichen Rot- oder Damwild.

Schürze

Die längeren Haare am äußeren Geschlechtsteil des weiblichen Rehwildes. Im Winterhaar ist die deutlich sichtbare Schürze ein wichtiges Ansprechmerkmal, um weibliches Rehwild sicher vom Bock ohne Gehörn zu unterscheiden.

verblatten

Einen Rehbock durch schlechtes oder zu häufiges Blatten vergrämen. Der verblattete Bock springt den Blattruf nicht mehr an und wird heimlich; sparsames, sauberes Blatten zur rechten Zeit ist daher entscheidend.

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