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Schwarzwild

Schwarzwild beschäftigt Jäger wie kaum eine andere Wildart: klug, nachtaktiv und durch die Afrikanische Schweinepest im Zentrum der Jagdpraxis. Diese Seite versammelt die Begriffe der Jägersprache rund um Keiler, Bache und Frischling – vom Gebrech bis zum Überläufer.

ausschieben

Das Verlassen des Kessels beim Schwarzwild, also des geschützten Lagers in dichter Deckung. Die Rotte schiebt aus, wenn sie zur nächtlichen Nahrungssuche zieht oder gestört wird.

Bache

Das weibliche Stück Schwarzwild. Im ersten Lebensjahr spricht man von der Frischlingsbache, im zweiten von der Überläuferbache, im dritten von der angehenden Bache; ab dem vierten Lebensjahr gilt sie als starke, alte oder grobe Bache.

Basse

Die Bezeichnung für einen starken, alten Keiler. Ein Basse trägt kräftige Waffen und einen ausgeprägten Schild an den Blättern, der ihn im Kampf schützt.

brechen

Das Abkippen des Laufes oder der Läufe bei Kipplaufwaffen zum Laden und Entladen. Daneben kennt die Jägersprache brechen auch für das Aufwühlen des Bodens durch Schwarzwild bei der Nahrungssuche.

Eichelmast

Die Früchte der Eiche als natürliche Herbst- und Wintermast, die vor allem dem Schwarzwild als energiereiche Nahrung dient. Gute Mastjahre begünstigen Kondition und Zuwachs der Sauen deutlich; neben der Eichelmast zählt auch die Buchenmast zur Baummast.

Erdmast

Insektenlarven, Engerlinge, Mäuse, Wurzeln und Pilze im Boden, auch Untermast genannt. Nach Erdmast bricht das Schwarzwild mit dem Gebrech, der Dachs wurzelt oder sticht danach. Sie ergänzt die Baummast wie Eichel- und Buchenmast.

Finder

Hunde, die zum Auffinden und Jagen von Schwarzwild eingesetzt werden, häufig auch Saufinder genannt. Sie sollen die Sauen in dichten Einständen aufstöbern und laut jagend in Bewegung bringen, ohne sich am wehrhaften Wild festzubeißen.

frischen

Das Gebären des Schwarzwildes: Die Bache frischt meist im Frühjahr ihre Frischlinge. Daneben bezeichnet frischen auch das Schöpfen, also die Wasseraufnahme, bei Schalenwild und Hund — vergleiche den Begriff Frischung.

Frischling

Ein Stück Schwarzwild im ersten Lebensjahr, je nach Geschlecht Frischlingsbache oder Frischlingskeiler. Im zweiten Lebensjahr spricht man vom Überläufer. Frischlinge tragen anfangs das charakteristisch längsgestreifte Jugendkleid.

Gebräch

Der vom Schwarzwild beim Wühlen nach Fraß aufgebrochene Boden. Gebräch auf Wiesen und Feldern ist ein deutliches Pirschzeichen für Sauen im Revier und häufige Ursache von Wildschäden; der wühlende Rüssel selbst heißt Gebrech.

Gebrech

Der Rüssel des Schwarzwildes, mit dem die Sauen den Boden nach Fraß durchwühlen. Nicht zu verwechseln mit dem Gebräch: So heißt der vom Schwarzwild aufgewühlte Boden selbst.

Gewaff

Die Eckzähne des Keilers — oben die Haderer, unten die Hauer, auch Gewehre oder Wetzer genannt — sowie die Krallen der Greifvögel. Das Gewaff des Keilers ist zugleich seine Waffe und eine begehrte Trophäe.

Gewehre

Die Hauer, also die unteren Eckzähne des Keilers. Zusammen mit den oberen Haderern bilden sie das Gewaff; durch das ständige Wetzen aneinander bleiben die Gewehre messerscharf.

grob

Der Ausdruck für stark, ausschließlich beim Schwarzwild gebraucht. Ein grober Keiler ist ein starker, meist älterer Keiler; bei anderem Schalenwild sagt der Jäger stark, das Gegenteil heißt gering.

Haderer

Die Eckzähne im Oberkiefer des Keilers. An ihnen wetzen sich die unteren Hauer scharf; Haderer und Hauer bilden zusammen das Gewaff, die Waffe und Trophäe des Keilers.

Haken

Die Bezeichnung für die Grandeln, für die Eckzähne der Bache sowie für das plötzliche Abbiegen des flüchtenden Hasen. Der Hase schlägt Haken, um Verfolger abzuschütteln; die Haken der Bache entsprechen den Hauern des Keilers.

Hamer

Der Hinterschenkel des Schwarzwildes. Küchensprachlich entspricht der Hamer dem Schinken der Sau; der Ausdruck zählt zu den älteren, heute seltener gebrauchten Begriffen der Jägersprache.

hauen

Ein Keiler schlägt mit seinem Gewaff gegen Mensch oder Hund. Daneben sagt die Jägersprache auch vom Biber, dass er haut, wenn er Baumstämme durchbeißt. Eine alte Regel lautet: Der Keiler haut, die Bache beißt.

Hauer

Die Eckzähne im Unterkiefer des Keilers, auch Gewehre genannt. Sie wetzen sich an den oberen Haderern ständig scharf und bilden mit ihnen das Gewaff — die Waffe und begehrte Trophäe des Keilers.

Kamm

Der obere Teil des Halses beim Schwarzwild bzw. die langen Kammborsten, die ein gereiztes Stück aufrichtet. Das Aufrichten des Kammes ist ein deutliches Droh- und Erregungszeichen, etwa beim gestellten Keiler.

Keiler

Das männliche Stück Schwarzwild. Starke Keiler leben außerhalb der Rauschzeit meist einzeln als Einzelgänger; ihre Waffen, das Gewaff, bestehen aus den unteren Gewehren und den oberen Haderern.

klappern

Das Geräusch, das ein angeschweißter, also krank geschossener Keiler mit seinen Gewehren, den Waffen des Unterkiefers, verursacht. Bei der Nachsuche ist es ein deutliches Warnzeichen und mahnt zu größter Vorsicht.

Klötze

Die Hoden des männlichen Schwarzwildes. Die Jägersprache unterscheidet auch hier nach Wildarten: Beim übrigen Schalenwild spricht man von Brunftkugeln, beim Keiler von Klötzen. Beim Versorgen zählen sie zum Kurzwildbret, das zügig entfernt wird.

Malbaum

Ein Baum, an dem sich Schwarz- und Rotwild nach dem Suhlen reiben, um Parasiten loszuwerden. Malbäume sind an Schlammspuren und Haaren zu erkennen; die Höhe der Malspuren gibt Hinweise auf die Stärke der Stücke.

Mast

Früchte des Waldes, die dem Schalenwild als Fraß dienen, etwa Eicheln, Bucheckern und Kastanien. Reiche Mast beeinflusst Kondition und Zuwachs des Wildes erheblich; besonders das Schwarzwild profitiert in Mastjahren deutlich.

Mastjahr

Ein Jahr, in dem Eichen, Buchen und andere Mastbäume reichlich Früchte tragen, auch Vollmast genannt. Mastjahre verbessern die Kondition des Schalenwildes; beim Schwarzwild folgen ihnen erfahrungsgemäß hohe Zuwachsraten.

Obermast

Sammelbezeichnung für Baumfrüchte, insbesondere Eicheln, Bucheckern, Kastanien und Wildobst, die dem Rot-, Dam- und Rehwild als Äsung und dem Schwarzwild als Fraß dienen. In guten Mastjahren beeinflusst sie Kondition und Zuwachs des Wildes erheblich.

Oberwurf

Der Oberkiefer des Schwarzwildes, Teil des Wurfs, wie die Schnauzenpartie der Sau heißt. Im Oberkiefer sitzen beim Keiler die Haderer, im Unterkiefer die Gewehre; zusammen bilden sie das Gewaff.

packen

Der Hund verbeißt sich an einem Stück Schwarzwild und hält es fest. Das Packen ist vom bloßen Stellen und Verbellen zu unterscheiden; ein dafür geeigneter Hund wird Packer genannt.

Packer

Ein Hund, der zum Decken von Schwarzwild geeignet ist, sich also an der Sau verbeißt und sie festhält. Historisch wurden solche Saupacker bei Hetz- und Hatzjagden eingesetzt; heute steht bei der Schwarzwildjagd das Stellen und Verbellen im Vordergrund.

Quaste

Der bei älterem Schwarzwild am Pürzel erkennbare Haarbüschel. Die Quaste am Ende des Pürzels dient als Ansprechmerkmal für ältere Stücke; ähnlich hilft beim Keiler der sichtbare Pinsel bei der Geschlechtsansprache.

rauschen

Der jagdliche Ausdruck für die Begattung des Schwarzwildes. Die zugehörige Paarungszeit heißt Rauschzeit; eine paarungsbereite Bache ist rauschig. Andere Wildarten haben eigene Begriffe: Schalenwild mit Geweih oder Gehörn brunftet, der Hase rammelt, der Fuchs rollt.

Rauschzeit

Die Paarungszeit des Schwarzwildes, in der die Bachen rauschig sind. Sie fällt meist in die Wintermonate, kann sich bei gutem Nahrungsangebot aber verschieben. Das Gegenstück bei Rot- und Damwild ist die Brunft, beim Fuchs die Rollzeit.

Rotte

Der Verband, in dem Schwarzwild zusammenlebt. Eine Rotte wird von einer erfahrenen Leitbache geführt und besteht meist aus Bachen mit ihren Frischlingen und Überläufern; ältere Keiler leben überwiegend einzelgängerisch. Bei Rot- und Damwild heißt der Verband Rudel.

rotten

Das Zusammenschließen von Schwarzwild zu einer Rotte. Sichert etwa nach einer Beunruhigung die Leitbache, rotten sich die Stücke wieder zusammen. Bei Rot- und Damwild spricht man entsprechend vom Rudeln.

Sau

Die allgemeine jagdliche Bezeichnung für das Schwarzwild, unabhängig vom Geschlecht. Der Jäger spricht von Sauen, wenn er Wildschweine meint; das männliche Stück heißt Keiler, das weibliche Bache, die Jungen Frischlinge.

Saufeder

Ein Spieß mit breiter Klinge und einem Holzschaft, der über Kreuz mit Riemen umwickelt ist. Die Saufeder diente historisch zum Abfangen des Schwarzwildes; die Wicklung verhinderte ein zu tiefes Eindringen der Klinge. Heute hat sie vor allem traditionelle Bedeutung.

schärfen

Das Aneinanderreiben des Gewaffs beim Schwarzwild, wodurch die Waffen scharf gehalten werden, bzw. das Schneiden mit dem Jagdmesser. Vom zweiten Wortsinn leitet sich das Aufschärfen ab, das Öffnen der Bauchdecke beim Versorgen des erlegten Stückes.

Schild

Die besonders gefärbte Fläche auf der Brust von Hühnervögeln bzw. die Flügel des Fasans; daneben eine andere Bezeichnung für den Panzer, die verdickte Schwarte über Schulter und Brust des Keilers, die ihn bei Kämpfen in der Rauschzeit schützt.

Schwarzwild

Die weidmännische Bezeichnung für das Wildschwein. Zum Schwarzwild zählen Keiler, Bache, Überläufer und Frischling; es gehört zum Schalenwild und lebt gesellig in Rotten, die von einer Leitbache geführt werden. Schwarzwild ist trichinenuntersuchungspflichtig; die Trichine wird vor der Verwertung nachgewiesen. Zudem steht das Schwarzwild im Mittelpunkt der Bekämpfung der Schweinepest.

Setzkessel

Der Geburts- und erste Aufenthaltsort der Frischlinge. Die Bache legt ihn als geschützten, ausgepolsterten Kessel aus Gras und Zweigen an; störungsarme Einstände sind in dieser Zeit für das Schwarzwild besonders wichtig.

Standhauer

Ein schwerer, kurzer Hirschfänger. Er zählt zu den kalten Waffen des Jägers und diente früher vor allem auf der Saujagd zum Abfangen wehrhaften Wildes; heute hat er überwiegend traditionelle Bedeutung.

Suhle

Ein schlammiger Wassertümpel oder eine Sankuhle, in der sich Rot- und Schwarzwild wälzen, um Parasiten zu bekämpfen. Nach dem Suhlen scheuert sich das Wild an Malbäumen; Suhlen sind daher wichtige Anhaltspunkte beim Bestätigen des Wildes im Revier.

suhlen

Das Wälzen von Rot-, Sika- und Schwarzwild in der Suhle. Der Schlammpanzer hilft gegen Parasiten und Insekten und dient dem Schwarzwild auch zur Abkühlung; anschließend scheuert sich das Wild am Malbaum.

Überläufer

Ein Stück Schwarzwild im zweiten Lebensjahr. Im ersten Lebensjahr spricht man vom Frischling, danach vom Keiler beziehungsweise von der Bache; weibliche Stücke dieses Alters heißen Überläuferbachen.

Untermast

Der Fraß, den das Schwarzwild im Boden findet, etwa Wurzeln, Engerlinge und anderes Kleingetier; auch Erdmast genannt. Auf der Suche danach bricht das Schwarzwild den Boden auf – frische Brüche verraten dem Jäger seine Anwesenheit.

Unterwurf

Der Unterkiefer des Schwarzwildes. Beim Keiler wachsen daraus die Gewehre, die unteren Hauzähne, die mit den Haderern des Oberkiefers das Gewaff bilden; die Nase des Schwarzwildes heißt Wurf.

verfrischen

Wenn die Bache tote Frischlinge zur Welt bringt, verfrischt sie. Der Ausdruck gehört zu einer prüfungsrelevanten Begriffsreihe: Schalenwild außer Schwarzwild sowie Hase und Kaninchen versetzen, Raubwild und Hund verwerfen.

Waffen

Sammelbezeichnung für alle blanken Waffen, also Hieb- und Stoßwaffen sowie Messer. Zur jagdlichen Ausrüstung zählen etwa Weidblatt, Weidmesser, Saufeder und Hirschfänger; sie dienen vor allem dem Abfangen von Wild und dem Versorgen des erlegten Stückes.

wehrhaft

Wild, das sich zur Wehr setzen kann, allen voran das Schwarzwild. Bei der Nachsuche auf wehrhaftes Wild sind besondere Vorsicht, ein geeigneter Hund und eine sichere Fangwaffe geboten.

Weiß

Jägersprachlicher Ausdruck für das Fett von Schwarzwild und Dachs. Dachsfett wurde früher als Hausmittel gegen Erkältungen und rheumatische Beschwerden geschätzt.

wetzen

Der Keiler schlägt im Zorn das Gewaff zusammen, also die Waffen des Ober- und Unterkiefers. Das deutlich hörbare Wetzen ist Drohverhalten und mahnt besonders bei der Nachsuche auf wehrhaftes Schwarzwild zu höchster Vorsicht.

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