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Rotwild, Brunft und Geweih
Rotwild ist das größte heimische Schalenwild, und kaum ein Bereich der Jägersprache ist so reich: vom Geweih mit Stangen, Enden und Kronen über die Brunft mit ihrem Röhren bis zu Kahlwild, Spießer und Zwölfender. Hier stehen die wichtigsten Begriffe rund um Hirsch, Brunft und Geweih.
abbrunften
Wild, das am Ende der Brunftzeit durch das Brunftgeschehen und geringe Nahrungsaufnahme körperlich stark geschwächt ist. Man spricht etwa vom abgebrunfteten Hirsch, der deutlich an Wildbret verloren hat und sich vor dem Winter erst wieder erholen muss.
abwerfen
Das natürliche Abstoßen des Geweihs bei allen Hirscharten beziehungsweise des Gehörns beim Rehbock. Rotwild wirft im Spätwinter ab, der Rehbock im Herbst; danach beginnt das Wachstum des neuen Kopfschmucks unter dem Bast.
Abwurfstange
Die abgeworfene Geweihstange von Elch-, Rot-, Dam-, Sika- oder Rehwild. Zwei zusammengehörige Stangen desselben Abwurfjahres nennt man Paßstangen. Abwurfstangen erlauben Rückschlüsse auf Alter und Veranlagung der Hirsche im Revier.
Alttier
Das weibliche Stück der Hirscharten – Rot-, Dam- und Sikawild – nach dem ersten Setzen. Vorher heißt es Schmaltier. Beim Rehwild gilt die Bezeichnung nicht; dort spricht man von der Ricke.
anschreien
Das Anrufen von Brunfthirschen durch Nachahmen des Röhrens mit dem Hirschruf. Der Jäger reizt damit den Platzhirsch oder zieht suchende Hirsche heran; Erfolg verspricht das Anschreien vor allem während der Hochbrunft.
aufhaben
Das Tragen des Kopfschmucks beim männlichen Schalenwild, ausgenommen Schwarzwild: Der Hirsch hat sein Geweih, der Bock sein Gehörn auf. Nach dem Abwerfen ist das Stück ohne Kopfschmuck, bis der neue im Bast heranwächst.
Auslage
Die Weite der Stangen eines Geweihs zueinander. Sie gehört zu den Merkmalen, nach denen eine Trophäe auf der Hegeschau bewertet wird.
Beihirsch
Ein in der Regel jüngerer und schwächerer Hirsch, der sich einem starken Hirsch anschließt und von diesem teilweise geduldet wird, und das nicht nur während der Brunftzeit. Vom Platzhirsch, der das Brunftrudel verteidigt, ist er klar zu unterscheiden.
Beuchel
Ein klassisches Fährtenzeichen des Rotwildes: Flüchtet ein Hirsch an einem Hang, können durch den Bodendruck hangabwärts unterhalb seiner Schalenabdrücke kleine, eiförmige Erderhöhungen entstehen. Diese heißen Beuchel.
Blohm
Alter, regionaler Ausdruck für den Brunftplatz des Hirsches bzw. für eine Stelle, an der sich der brunftige Hirsch aufhält und nach älterer Überlieferung abkühlt.
Brunft
Die Begattungszeit des Schalenwildes. Beim Rotwild fällt sie auf September und Oktober, beim Damwild etwas später. Eigene Namen tragen die Paarungszeiten beim Rehwild – die Blattzeit – und beim Schwarzwild, wo man von Rauschzeit spricht.
Brunftfalte
Eine paarige Hautfalte an den Stellen der Rosenstöcke, besonders bei weiblichem und jungem Rot- und Damwild. Sie enthält vermehrt Hautdrüsen und kann während der Brunft etwas anschwellen; bei männlichen Stücken schwindet sie mit der Ausbildung der Rosenstöcke.
Brunftfleck
Andere Bezeichnung für den Brand: der dunkle, häufig feuchte Fleck an der Bauchunterseite um bzw. vor der Brunftrute des Hirsches, der in der Brunft durch Harn, Samen- und weitere Geschlechtssekrete sowie Verschmutzung entsteht.
Brunfthirsch
Ein Hirsch, der sich in der Brunft befindet. Er ist am angeschwollenen Träger, an der Brunftmähne und am Schlamm der Suhle zu erkennen – und daran, dass er kaum äst und dabei erheblich an Gewicht verliert.
brunftig
Der Zustand des weiblichen Schalenwildes während der Brunft, in dem es die Annäherung des männlichen Stückes sucht und duldet. Andere Wildarten haben eigene Begriffe: Die Häsin ist ramlig, die Bache rauschig, die Hündin läufig.
Brunftmähne
Die langen Haare am Träger des Rothirsches, also am Hals. Sie wachsen vor der Brunft und lassen den Träger mächtiger erscheinen – ein Teil des Imponiergehabes.
Brunftplatz
Der Ort, an dem die Brunft stattfindet. Brunftplätze werden über Jahre hinweg immer wieder aufgesucht; Störungen dort führen dazu, dass das Rotwild abwandert.
Brunftrute
Das männliche Glied bei allem Schalenwild.
Brunftschrei
Die Lautäußerung des brunftigen Hirsches, auch Röhren genannt. Sie trägt weit durch den Wald, hält Nebenbuhler auf Abstand und zeigt dem Kahlwild die Anwesenheit des Platzhirschs an.
Cerviden
Die zoologische Bezeichnung für die Familie der Hirsche. Zu ihr zählen in Mitteleuropa Rot-, Dam-, Sika- und Rehwild sowie der Elch. Gemeinsames Merkmal ist das Geweih, das jährlich abgeworfen und neu geschoben wird – anders als das bleibende Horn der Hornträger.
Doppelkopf
Eine Geweihanomalie bei Rot- und Damhirsch: Neben oder unter dem noch nicht abgeworfenen alten Geweih werden bereits neue Spieße geschoben. Dazu kommt es, wenn der Abwurf ausbleibt, während der neue Geweihschub schon einsetzt.
Doppelkrone
Eine Geweihbildung des Rothirsches: Die Stangen teilen sich über dem Mittelspross, und jeder Teil bildet eine eigene Krone mit mindestens drei Enden. Ein solcher Hirsch gilt als besonders starke, seltene Trophäe.
Ehrenlauf
Der rechte Vorderlauf des parforce gejagten Hirsches. Er galt früher als Trophäe und wurde dem würdigsten Jagdgast überreicht. Der Brauch stammt aus der höfischen Parforcejagd vergangener Jahrhunderte und hat heute nur noch historische Bedeutung.
Eissproß
Das zweite Ende des Rothirschgeweihs, das über dem Augsproß von der Stange abzweigt. Nicht jeder Hirsch schiebt Eissprossen; über dem Eissproß folgt der Mittelsproß, darüber das obere Stangenende mit Gabel oder Krone.
Eissprossenzehner
Ein Rothirsch, dessen Stangen jeweils Aug-, Eis- und Mittelsprosse tragen und am oberen Ende gegabelt sind, zusammen also zehn Enden; auch Gabelzehner genannt. Der Kronenzehner erreicht dieselbe Endenzahl ohne Eissprossen mit einer dreiendigen Krone.
Feist
Das Fett auf dem Wildbret allen Schalenwildes mit Ausnahme des Schwarzwildes. Bei Hase, Kaninchen, Federwild und Raubwild spricht man dagegen von Fett; die Feistzeit des Hirsches liegt zwischen Fegen und Brunft.
Feisthirsch
Die Bezeichnung für den Hirsch im Zeitraum vom Fegen bis zum Beginn der Brunft. In dieser äsungsreichen Zeit legt er die Feistreserven an, die er während der zehrenden Brunft weitgehend wieder aufbraucht.
Feistzeit
Die Zeit vom Fegen des Geweihs bis zur Brunft, beim Rothirsch etwa der Hoch- und Spätsommer. In dieser äsungsreichen Periode wird der Hirsch sehr feist und baut die Energiereserven für die Brunft auf.
flehmen
Das Hochziehen der Oberlippe, mit dem Wild Duftstoffe besonders intensiv prüft. Bekannt ist das Flehmen vor allem vom Rothirsch in der Brunft, wenn er die Witterung brunftiger Tiere aufnimmt und auswertet.
forkeln
Mit dem Geweih oder Gehörn verletzen. Der Ausdruck wird gebraucht, wenn Hirsche oder Böcke im Kampf einen Rivalen forkeln; auch Hunde und Menschen können von wehrhaftem Wild geforkelt werden.
gerade
Ein Gehörn oder Geweih, dessen Stangen jeweils die gleiche Endenzahl aufweisen. Ein gerader Zehner trägt also fünf Enden je Stange; bei ungleicher Endenzahl spricht man von einem ungeraden Geweih.
Geweih
Der Kopfschmuck aller Hirscharten, etwa von Rot-, Dam- und Sikahirsch. Es besteht aus Knochensubstanz, wird jährlich abgeworfen und neu geschoben; beim Rehbock spricht man vom Gehörn, beim Gamswild von der Krucke.
Himmelsspur
Eine oberhalb der Bodenfährte durch das Geweih hinterlassene Spur des Hirsches. Je nach Quelle ist Himmelsspur gleichbedeutend mit Himmelszeichen; manche Jagdlexika unterscheiden enger zwischen Feg- und Schlagstellen als Himmelsspur und umgewendeten Blättern oder geknickten Zweigen als Himmelszeichen.
Himmelszeichen
Das Umwenden und Knicken von Blättern und kleinen Zweigen mit dem Geweih, wenn der Hirsch durch Dickungen zieht. Die nach oben gekehrten hellen Blattunterseiten verraten dem Fährtenleser die Zugrichtung des Stückes.
Hirsch
Das männliche Stück des Elch-, Rot-, Dam- und Sikawildes. Das männliche Reh ist dagegen kein Hirsch: Obwohl das Rehwild zu den Hirschartigen zählt, spricht der Jäger hier vom Bock.
Hüsch
Ein alter schlesischer Ausdruck für Hirsche. Der Begriff ist heute nur noch von sprachgeschichtlichem Interesse und in der praktischen Jägersprache nicht mehr gebräuchlich.
Kahlwild
Das weibliche Wild und die Kälber beiderlei Geschlechts aller Hirscharten — also die Stücke, die kein Geweih tragen. Beim Rotwild zählen Alttiere, Schmaltiere und Kälber zum Kahlwild; der Begriff wird vor allem bei Rot- und Damwild verwendet.
Kalb
Das junge Stück aller Hirscharten wie Rot-, Dam- und Elchwild während des ersten Lebensjahres. Beim Rehwild heißt das Jungtier dagegen Kitz, beim Schwarzwild Frischling.
kapital
Ein ungewöhnlich starkes, reifes Stück Wild nennt der Jäger kapital, meist mit Blick auf die Trophäe. Ein kapitaler Hirsch oder Bock übertrifft den Durchschnitt deutlich; für herausragende Stücke ist auch die Vorsilbe Haupt- gebräuchlich, etwa Haupthirsch.
Kasten
Der Rumpf des Rotwildes. Ein Hirsch mit tiefem, kräftigem Kasten gilt als körperstark; der Begriff wird vor allem beim Ansprechen des Wildkörpers verwendet.
Kirchgang
Das Ziehen des Hirsches vom Felde in das Holz, also vom Äsungsplatz zurück in den schützenden Wald. Meist erfolgt der Kirchgang im ersten Büchsenlicht des Morgens und bietet dem ansitzenden Jäger eine gute Gelegenheit.
knören
Eine leise Lautäußerung des Rothirsches. Der tiefe, kehlige Laut ist vor allem in der Brunft zu vernehmen und deutlich verhaltener als das weithin hörbare Röhren des brunftigen Hirsches.
Kolben
Das Gehörn oder Geweih, solange es während des Wachsens, des Schiebens, mit Bast überzogen ist. Ein Hirsch mit wachsendem Geweih steht im Kolben und wird Kolbenhirsch genannt; nach dem Verfegen des Bastes ist das Geweih fertig ausgebildet.
Kopf
Beim Federwild und beim zum Niederwild zählenden Haarwild – ausgenommen das Rehwild, das ein Haupt trägt – bleibt der Kopf schlicht Kopf. Daneben dient das Wort als Altersangabe männlicher Hirscharten: Ein Hirsch vom 2. Kopf trägt sein zweites Geweih.
Kragen
Das lange Haar am Träger, also am Hals des Hirsches. Besonders in der Brunft ist der Kragen des Rothirsches als dunkle Mähne deutlich ausgeprägt und dient beim Ansprechen mit als Hinweis auf ein reiferes Stück.
Leder-
Ledergehörn bzw. Ledergeweih: ein Gehörn oder Geweih, dessen Bast nicht abgefegt wurde, sondern lederartig an den Stangen festgetrocknet ist. Es zählt zu den Geweihabnormitäten und ist von der meist hormonell bedingten, fortwuchernden Perücke zu unterscheiden.
Mähne
Die langen Haare am Träger, also am Hals, des Rothirsches. Sie bilden sich besonders zur Brunft kräftig aus und lassen den Träger des Brunfthirsches stärker wirken — ein Merkmal, das beim Ansprechen älterer Hirsche hilft.
mahnen
Der Lock- und Warnlaut des weiblichen Stückes bei allen Hirscharten. Das Alttier mahnt etwa sein Kalb, ihm zu folgen, oder warnt das Rudel bei Beunruhigung; der Laut ist unauffällig und leicht zu überhören.
melden
Die Lautäußerung des männlichen Stückes in der Brunft bei allen Hirscharten. Beim Rothirsch reicht das Melden vom verhaltenen Knören bis zum weithin hörbaren Röhren; der brunftige Damhirsch meldet mit rülpsenden Lauten.
Mittelsproß
Ein Ende am Hirschgeweih, das zwischen Aug- beziehungsweise Eissprosse und der Krone von der Stange abzweigt. Beim Ansprechen des Geweihs zählt der Mittelspross zu den namentlich benannten Enden wie Augsprosse, Eissprosse und Wolfssprosse.
Mönch
Ein abnormer Hirsch, der kein Geweih schiebt. Ursache ist meist eine Störung oder Verletzung des Kurzwildbrets; der geweihlose Hirsch wird auch Plattkopf oder Kahlhirsch genannt.
niedrig
Ein Hirsch geht niedrig, wenn er sein Geweih abgeworfen und noch kein neues geschoben hat. In dieser Zeit ist er leicht mit Kahlwild zu verwechseln; ein dauerhaft geweihloser Hirsch heißt dagegen Mönch oder Plattkopf.
orgeln
Die Lautäußerung des Rothirsches während der Brunft, auch Röhren genannt. Das tiefe Orgeln des Brunfthirsches dient dem Imponieren gegenüber Rivalen; erfahrene Jäger sprechen den Hirsch dabei nach Stimme und Verhalten an.
Paßstangen
Die zusammengehörigen Abwurfstangen eines Stücks Elch-, Rot-, Dam-, Sika- oder Rehwild aus demselben Abwurfjahr. Wer beide Stangen findet, kann die Geweihentwicklung eines Hirsches über die Jahre verfolgen; das Sammeln von Abwurfstangen ist dafür ein wichtiges Hilfsmittel der Hege.
Perlen
Die unregelmäßigen Erhebungen an den Stangen von Geweihen und Gehörnen. Eine starke Perlung gilt bei der Trophäenbewertung als Schönheitsmerkmal, etwa beim Rehbockgehörn; die Furchen dazwischen stammen von den Blutgefäßen des Bastes.
Pinsel
Die langen Haare an der Brunftrute des männlichen Schalenwildes beziehungsweise das Haarbüschel an den Ohren von Luchs und Eichhörnchen. Beim Schalenwild hilft der sichtbare Pinsel, das Geschlecht anzusprechen — etwa beim Bock im Bast oder beim niedrig gehenden Hirsch.
Plattkopf
Ein Kahlhirsch, also ein Hirsch, der kein Geweih schiebt, auch Mönch genannt. Ursache ist meist eine Schädigung des Kurzwildbrets; vom niedrig gehenden Hirsch, der sein Geweih nur zeitweilig abgeworfen hat, ist er zu unterscheiden.
Platzhirsch
Der Hirsch, der während der Brunft ein Rudel Kahlwild beherrscht und gegen Rivalen verteidigt. Er treibt und beschlägt die brunftigen Tiere, während sich schwächere Beihirsche am Rand des Brunftrudels halten. Der Begriff ist längst in die Alltagssprache eingegangen.
Riefen
Die Längsfurchen an den Stangen des Geweihs. Sie entstehen durch die Blutgefäße des Bastes während des Geweihwachstums und tragen neben den Perlen zur Oberflächenstruktur der Stange bei.
röhren
Die Lautäußerung des Rothirsches in der Brunft. Das tiefe, weittragende Röhren dient der Rivalenabschreckung und dem Anlocken des Kahlwildes. Der Jäger ahmt es beim Hirschruf nach, um den Brunfthirsch zu locken.
Rose
Der Perlkranz am unteren Ende der Geweih- oder Gehörnstange, unmittelbar über dem Rosenstock. Ausprägung und Form der Rose fließen in die Trophäenbewertung ein. Beim Abwurf des Geweihs löst sich die Stange unterhalb der Rose vom Rosenstock.
Rosenstock
Der Stirnzapfen am Schädel des Geweihträgers, auf dem die Geweih- bzw. Gehörnstange aufsitzt. Er ist ein bleibender Knochenfortsatz: Beim jährlichen Abwerfen löst sich nur die Stange, der Rosenstock bleibt erhalten, und von ihm aus wird das neue Geweih geschoben.
Rudel
Der Verband mehrerer Stücke Rot- oder Damwild. Ein Rudel wird von einem erfahrenen Alttier, dem Leittier, geführt; Hirsche bilden außerhalb der Brunft eigene Hirschrudel. Beim Schwarzwild heißt der Verband dagegen Rotte, beim Muffelwild ebenfalls Rudel.
schieben
Die Wachstumsphase des Geweihs oder Gehörns bei Hirschen und Böcken: Der Hirsch schiebt sein neues Geweih. Während des Schiebens ist die Stange von der stark durchbluteten Basthaut umgeben, die nach dem Verfegen abgestreift wird.
Schloßtritt
Fährtenzeichen des Rotwildes: Beim Hochwerden setzt der Hirsch einen Hinterlauf in die Mitte seines Bettes; beim weiblichen Stück liegt der entsprechende Tritt außerhalb des Bettes.
schreien
Die Brunftrufe von Elch-, Rot- und Damwild. Beim Rothirsch spricht man je nach Lautstärke und Anlass auch vom Röhren oder Melden, beim Damwild vom Knören während der Brunft.
Spieß
Eine endenlose Gehörn- oder Geweihstange ohne jede Verzweigung. Ein Stück, das beidseitig nur Spieße trägt, wird Spießer genannt — beim Rot- und Rehwild typischerweise der junge Hirsch bzw. Bock vom ersten Kopf.
Sprosse
Ein Ende am Gehörn oder Geweih. Beim Rothirsch tragen die Sprossen eigene Namen — Augsprosse, Eissprosse, Mittelsprosse — und ihre Zahl bestimmt die Endenzahl, nach der ein Hirsch etwa als Zehnender angesprochen wird.
Stange
Eine Hälfte des Gehörns oder Geweihs. Die Stangen wachsen aus den Rosenstöcken, werden jährlich abgeworfen und neu geschoben; ihre Enden heißen Sprossen, ihre Oberfläche zeigt Perlung und Furchen.
Tierhaken
Die Grandeln des Rottieres, also die Eckzähne im Oberkiefer des weiblichen Rotwildes. Wie die Grandeln des Hirsches sind sie ein geschätztes Erinnerungsstück und werden gern zu Trachtenschmuck verarbeitet.
Tränengrube
Die Höhlung unterhalb der Lichter beim Rotwild, in der eine Hautdrüse sitzt. Das ausgeschiedene Sekret nennt man Hirschträne oder Hirschbezoar; besonders in der Brunft ist die Tränengrube des Hirsches deutlich ausgeprägt.
trensen
Die Lautäußerung des Rothirsches während der Brunft, mit der er einen Nebenbuhler von einem weiblichen Stück vertreiben will; auch knörren genannt. Sie ist vom weittragenden Röhren zu unterscheiden, mit dem der Hirsch seine Brunftstimmung kundtut.
Trupp
Einige Stücke Rotwild, die sich zusammengeschlossen haben. Für den größeren, dauerhaften Verband ist Rudel die gebräuchlichere Bezeichnung; geführt wird das Rudel von einem erfahrenen Alttier, dem Leittier.
ungerade
Ein Geweih oder Gehörn ist ungerade, wenn die Stangen unterschiedlich viele Enden tragen. Angesprochen wird nach der höheren Endenzahl mit dem Zusatz ungerade, etwa ungerader Zehner; bei gleicher Endenzahl beider Stangen heißt der Hirsch gerade.
verecken
Ein Geweih oder Gehörn ist vereckt, wenn es völlig ausgewachsen ist und alle Enden ausgebildet sind. Erst danach fegt das Stück den Bast von den Stangen; das Geweih ist dann fertig für Brunft- oder Blattzeit.
verhören
Das Bestätigen des Standes von Wild in Balz oder Brunft anhand seiner Lautäußerung. Der Jäger verhört etwa den röhrenden Hirsch am Abend oder den Auerhahn beim Abendeinstand, um am nächsten Morgen gezielt anzugehen.
verschweigen
Das Innehalten der Lautäußerungen bei Balz oder Brunft: Hahn oder Hirsch verschweigen, wenn sie eine Störung wahrnehmen. Für den Jäger ist das ein Warnzeichen, dass das Wild misstrauisch geworden ist.
Vorschlag
Beim Rothirsch der Bereich des Schulterblatts mit den ersten drei Rippen; bei alten Hirschen besonders stark entwickelt.
Wamme
Die herabhängende Hautfalte am Hals des älteren Hirsches, einem Doppelkinn vergleichbar. Sie tritt vor allem bei reifen Stücken hervor und kann beim Ansprechen als zusätzlicher Hinweis auf das Alter dienen.
zurücksetzen
Männliches Wild schiebt geringere Stangen oder weniger Enden als im Vorjahr. Das Zurücksetzen tritt meist im hohen Alter oder nach Krankheit und schlechter Äsung auf und ist ein wichtiges Kriterium beim Ansprechen des Trophäenträgers.
zustehen
Die Annäherung des Wildes zum Jäger hin, besonders bei der Lockjagd gebräuchlich. Der gelockte Fuchs oder der brunftige Hirsch steht dem Ruf zu; der Jäger verhält sich dabei regungslos und achtet auf guten Wind.
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