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Jägersprache mit U
22 Begriffe – von der Jagdpraxis bis zur Prüfungsvorbereitung.
Überbeißer
Eine angeborene Gebissfehlstellung des Hundes, auch Rückbiss genannt: Die oberen Schneidezähne stehen deutlich vor den unteren, ohne sie zu berühren, weil der Oberkiefer zu lang oder der Unterkiefer zu kurz ist. Das Gegenstück mit vorstehendem Unterkiefer heißt Vorbeißer.
übereilen
Ein Fährtenzeichen beim Rothirsch: Er setzt beim Ziehen die Hinterläufe vor die Abdrücke der Vorderläufe. Das Übereilen gilt als Zeichen eines jungen Hirsches; der alte Hirsch bleibt mit den Hinterläufen dagegen zurück.
überfallen
Schalenwild überspringt einen Graben, Zaun oder ein anderes Hindernis. Der Ausdruck beschreibt das flüssige Überwinden des Hindernisses im Zuge des Wechselns oder der Flucht.
übergehen
Jäger, Jagdhelfer oder Hunde gehen über eine Fährte oder Spur hinweg, ohne sie zu bemerken; daneben ein weibliches Stück Wild, das kein Kalb oder Kitz führt. Ein solches Stück wird als nicht führend angesprochen.
überhetzen
Wenn einem Hetzhund die Kräfte versagen beziehungsweise wenn Hetzhunde Wild weit über das Treiben hinaus hetzen. Beides gilt es zu vermeiden: Der Hundeführer muss die Kondition seiner Hunde kennen und sie rechtzeitig abrufen.
Überläufer
Ein Stück Schwarzwild im zweiten Lebensjahr. Im ersten Lebensjahr spricht man vom Frischling, danach vom Keiler beziehungsweise von der Bache; weibliche Stücke dieses Alters heißen Überläuferbachen.
übernächtigt
Eine Fährte, die eine Nacht gestanden hat. Ihre Witterung ist deutlich abgeschwächt; die Arbeit auf der übernächtigten Fährte verlangt einen erfahrenen Schweißhund und ist Teil anspruchsvoller Schweißprüfungen.
überschießen
Über ein Stück Wild hinwegschießen, also zu hoch anhalten; daneben das Überschreiten des Abschussplanes, wenn mehr Wild gestreckt wurde als erlaubt. Das Überschießen des Planes kann je nach Bundesland jagdrechtliche Folgen haben.
überwechseln
Wild wechselt über, wenn es eine Revier- oder Gebietsgrenze überschreitet und in ein anderes Revier bzw. Gebiet zieht. Für das Fliegen des Auerhahns auf einen anderen Ast lautet der Ausdruck überstellen.
Umschlag
Ein Fährtenzeichen beim Rotwild: Die Bodennarbe wird von den Läufen so umgekehrt, dass ihre Unterseite nach oben zeigt. Solche Fährtenzeichen helfen dem Jäger, Richtung und Frische einer Fährte sowie das Stück selbst anzusprechen.
umschlagen
Das Umgehen eines Revierteils, um darin steckendes Wild zu bestätigen. Wer umschlägt, prüft an ein- und auswechselnden Fährten, ob das Stück noch im Einstand steckt – wichtig etwa vor einer Drückjagd oder Nachsuche.
ungerade
Ein Geweih oder Gehörn ist ungerade, wenn die Stangen unterschiedlich viele Enden tragen. Angesprochen wird nach der höheren Endenzahl mit dem Zusatz ungerade, etwa ungerader Zehner; bei gleicher Endenzahl beider Stangen heißt der Hirsch gerade.
Unterbeißer
Ein Hund mit vorstehendem Unterkiefer, dessen untere Schneidezähne vor den oberen stehen (Unter- bzw. Vorbiss). Ein zu kurzer Unterkiefer heißt dagegen Rück- oder Hinterbiss.“ Wegen schwankender historischer Terminologie sollten die eindeutigen Begriffe Vor- und Rückbeißer bevorzugt werden.
Untermast
Der Fraß, den das Schwarzwild im Boden findet, etwa Wurzeln, Engerlinge und anderes Kleingetier; auch Erdmast genannt. Auf der Suche danach bricht das Schwarzwild den Boden auf – frische Brüche verraten dem Jäger seine Anwesenheit.
unterschießen
Der Schuss liegt zu tief, oder es wurde zu kurz gehalten. Häufige Ursachen sind falsch geschätzte Entfernungen oder steile Schusswinkel; ein Unterschießen kann zu Laufschüssen führen und eine Nachsuche nötig machen.
Unterstoß
Das untere Schwanzdeckgefieder bei den Federwildarten, die einen Stoß haben. Die Jägersprache gliedert das Gefieder genau: Die großen Schwanzfedern bilden den Stoß, die darunterliegenden Deckfedern den Unterstoß.
Unterwind
Der für den Jäger günstige Wind, der vom Wild direkt zu ihm hinstreicht. Wer mit Unterwind pirscht oder ansitzt, verhindert, dass das Wild seine Witterung bekommt; steht der Wind falsch, hat das Wild den Jäger schnell gewittert.
Unterwolle
Die weiche, kurze Wolle unter den Deckhaaren auf der Schwarte des Schwarzwildes. Der Ausdruck ist auch beim Haarraubwild, bei Hase, Kaninchen und Hund gebräuchlich; die Unterwolle wärmt besonders im Winterhaar.
Unterwurf
Der Unterkiefer des Schwarzwildes. Beim Keiler wachsen daraus die Gewehre, die unteren Hauzähne, die mit den Haderern des Oberkiefers das Gewaff bilden; die Nase des Schwarzwildes heißt Wurf.
unweidmännisch
Die Bezeichnung für alles, was den Regeln, Sitten und Bräuchen des Weidwerks widerspricht. Dazu zählen etwa unsichere Schüsse oder vermeidbares Tierleid; das Gegenteil ist weidmännisches oder weidgerechtes Verhalten.
Urhahn
Eine andere Bezeichnung für den Auerhahn, den Hahn des größten europäischen Hühnervogels. Seine Balzarie aus Knappen, Triller, Hauptschlag und Schleifen gehört zum klassischen Prüfungswissen; die Bejagung ruht heute vielerorts oder ist untersagt.
Urian
Eine scherzhafte Bezeichnung für einen alten Rehbock oder Keiler. Der Ausdruck würdigt das erfahrene, heimliche Stück, das den Jäger oft über Jahre narrt, bevor es zur Strecke kommt.
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