Jagdsignale

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Jägersprache mit V

58 Begriffe – von der Jagdpraxis bis zur Prüfungsvorbereitung.

verbeißen

Wenn Schalenwild, Hase oder Kaninchen junge Triebe abbeißen. Der Verbiss an Forstkulturen ist ein zentrales Thema im Verhältnis von Wald und Wild; vielerorts dienen Verbissgutachten als Maßstab für die Abschussplanung.

verbellen

Ein Hund verbellt ein verendetes oder krankes Stück Schalenwild: Er bleibt am Stück und gibt anhaltend Laut, bis der Jäger herankommt. Der Totverweiser holt den Jäger stattdessen und führt ihn zur Fundstelle.

verblasen

Das Blasen des jeweiligen Totsignals über der Strecke: Jede Wildart wird mit ihrem eigenen Signal verblasen, etwa „Hirsch tot“ oder „Sau tot“. Der Brauch erweist dem Wild die letzte Ehre und schließt die Jagd förmlich ab.

verblatten

Einen Rehbock durch schlechtes oder zu häufiges Blatten vergrämen. Der verblattete Bock springt den Blattruf nicht mehr an und wird heimlich; sparsames, sauberes Blatten zur rechten Zeit ist daher entscheidend.

verblenden

Das Anpassen von Hochsitz, Leiter oder Schirm mit Material aus der Umgebung wie Zweigen, Laub oder Moos, damit die Einrichtung dem Wild nicht auffällt. Daneben wird erlegtes oder verendetes Wild verblendet, also mit Zweigen abgedeckt, um es vor Raubwild zu schützen.

verbrechen

Das Kennzeichnen einer Stelle mit einem Bruch, etwa des Anschusses oder einer Fährte, um sie sicher wiederzufinden. Die Brüche gehören zur stummen Sprache des Jägers; der verbrochene Anschuss ist Ausgangspunkt jeder Nachsuche.

verdrossen

Ein Hund, der plötzlich keine Lust zur Arbeit oder zur Suche zeigt, arbeitet verdrossen. Ursachen können Überforderung, Ermüdung oder Fehler in der Führung sein; das Gegenteil ist der passionierte, mit Arbeitsfreude jagende Hund.

verecken

Ein Geweih oder Gehörn ist vereckt, wenn es völlig ausgewachsen ist und alle Enden ausgebildet sind. Erst danach fegt das Stück den Bast von den Stangen; das Geweih ist dann fertig für Brunft- oder Blattzeit.

verenden

Wild verendet durch Schuss oder Fang sowie im Kampf miteinander. Die Jägersprache meidet das Wort sterben; ein ohne jagdliche Einwirkung zu Tode gekommenes Stück wird als Fallwild bezeichnet.

verfangen

Hunde, die sich ineinander oder an Wild verbissen haben und nur sehr schwer abzunehmen sind, haben sich verfangen. Beim Lösen ist Vorsicht geboten, um weder die Hunde noch die Helfer zu gefährden.

verfärben

Der Haarwechsel beim Schalenwild. Im Frühjahr und Herbst verfärbt das Wild, wechselt also vom Winter- ins Sommerhaar und umgekehrt; während des Verfärbens wirkt das Haarkleid oft struppig und fleckig.

verfrischen

Wenn die Bache tote Frischlinge zur Welt bringt, verfrischt sie. Der Ausdruck gehört zu einer prüfungsrelevanten Begriffsreihe: Schalenwild außer Schwarzwild sowie Hase und Kaninchen versetzen, Raubwild und Hund verwerfen.

vergießen

Das Niederstürzen des Beizvogels mit der geschlagenen Beute. Der Ausdruck gehört zur Sprache der Falknerei, die für das Verhalten des Beizvogels vom Steigen bis zum Schlagen der Beute eigene Begriffe kennt.

vergrämen

Wild wird durch wiederholte Störungen so beunruhigt, dass es seine gewohnten Stände und Wechsel meidet. Vergrämtes Wild wird heimlich und zieht oft erst bei Dunkelheit; beim Rehbock spricht man vom Verblatten, beim Raubwild vom Verprellen.

Vergrößerung

Der Wert einer Optik, der angibt, wievielmal näher ein Objekt durch Fernglas oder Zielfernrohr erscheint. Eine achtfache Vergrößerung lässt Wild in 80 Metern wie aus 10 Metern erscheinen; hohe Vergrößerung verkleinert allerdings Sehfeld und Austrittspupille.

Vergütung

Die Beschichtung optischer Gläser: Auf alle Glas-Luft-Flächen werden hauchdünne Schichten aufgebracht, etwa durch Aufdampfen, um Reflexionen zu verringern. Eine Mehrschichtvergütung erhöht Transmission und Bildkontrast – bei Jagdoptik für die Dämmerung besonders wichtig.

verhitzen

Erlegtes Wild verhitzt, wenn es nicht rechtzeitig versorgt und ausgekühlt wird: Das Wildbret wird stickig und unbrauchbar. Rasches Aufbrechen und Auskühlen sind daher Pflicht des Erlegers – auch aus Gründen der Fleischhygiene.

verhoffen

Das plötzliche Stehenbleiben des Schalenwildes, um zu sichern: Das Stück äugt, windet und lauscht in die Umgebung. Für den Jäger ist das Verhoffen der klassische Augenblick, in dem ein sauberer Schuss möglich wird.

verhören

Das Bestätigen des Standes von Wild in Balz oder Brunft anhand seiner Lautäußerung. Der Jäger verhört etwa den röhrenden Hirsch am Abend oder den Auerhahn beim Abendeinstand, um am nächsten Morgen gezielt anzugehen.

verkappen

Das Aufsetzen der Kappe auf den Kopf des Beizvogels in der Falknerei. Die Kappe verhüllt dem Vogel die Augen und hält ihn ruhig; erst unmittelbar vor dem Beizflug wird er wieder entkappt.

verklüften

Wenn Dachs oder Fuchs im Bau eine Erdwand zwischen sich und den nachdrängenden Jagdhund scharren. Das verklüftete Raubwild ist für den Erdhund kaum mehr erreichbar; bei der Baujagd sollte deshalb stets Grabwerkzeug bereitliegen.

verlassen

Wenn Fuchs oder Dachs aus dem Bau fahren oder ihn dauerhaft nicht mehr nutzen, verlassen sie ihn. Daneben verlässt ein Hund die Fährte, wenn er von ihr abkommt oder sie nicht mehr beachtet.

verlochen

Das Vergraben verluderten Wildes: Es wird in ein ausgehobenes Loch gelegt und wieder mit Erde bedeckt. Für die Beseitigung von Fallwild und Aufbruch gelten heute je nach Bundesland eigene Vorschriften zur Tierkörperbeseitigung.

verlorenbringen

Das selbstständige Finden und Apportieren von verloren gesuchtem Wild durch den Hund. Das Verlorenbringen ist ein zentrales Prüfungsfach der Jagdgebrauchshunde; es verbindet die Verlorensuche mit dem sauberen Apport zum Führer.

verlorensuchen

Das Suchen beschossenen Wildes, wenn nicht bekannt ist, wo es liegen könnte. Der Hund arbeitet dabei selbstständig mit der Nase das Gelände ab; bringt er das gefundene Stück, spricht man vom Verlorenbringen.

verludern

Geschossenes Wild, das nicht gefunden wird, verkommt und verwest – es verludert. Eine sorgfältige Nachsuche ist daher weidmännische Pflicht; bereits verludertes Wild wird verlocht, also vergraben.

vernehmen

Der Ausdruck für das Hören bei Wild und Hund. Die Jägersprache trennt die Sinne genau: Das Wild vernimmt mit den Lauschern, äugt mit den Lichtern und windet mit dem Windfang.

verprellen

Das Vergrämen von Raubwild durch Unvorsichtigkeiten, etwa am Luderplatz oder an der Falle. Ein verprellter Fuchs meidet den Platz lange Zeit; beim übrigen Wild spricht man allgemein vom Vergrämen, beim Rehbock vom Verblatten.

verronnen

Eine Fährte ist verronnen, wenn Witterungseinflüsse wie Regen oder Tauwetter sie verwaschen haben. Verronnene Fährten lassen sich kaum noch ansprechen und erschweren auch dem Schweißhund die Arbeit erheblich.

Vers

Eine vollständige Balzarie bzw. Balzstrophe des Auerhahns, auch Spiel oder Gsetzl genannt. Sie besteht aus Knappen, Triller, Hauptschlag und Schleifen/Wetzen; während des Schleifens ist die Wahrnehmung des Hahns stark eingeschränkt.

Versager

Eine Patrone, die beim Abziehen nicht zündet. Nach einem Versager bleibt die Waffe aus Sicherheitsgründen noch einige Sekunden in Zielrichtung, bevor die Patrone entnommen wird – ein Nachzünder ist möglich.

verschweigen

Das Innehalten der Lautäußerungen bei Balz oder Brunft: Hahn oder Hirsch verschweigen, wenn sie eine Störung wahrnehmen. Für den Jäger ist das ein Warnzeichen, dass das Wild misstrauisch geworden ist.

versetzen

Das Gebären toter Junge bei Schalenwild außer Schwarzwild sowie bei Hase und Kaninchen. Die Begriffsreihe ist prüfungsrelevant: Die Bache verfrischt in diesem Fall, Raubwild und Hund verwerfen oder verwölfen.

versorgen

Das Aufbrechen erlegten Wildes und sein Bergen aus dem Gelände. Rasches Versorgen verhindert das Verhitzen des Wildbrets und ist Grundlage einwandfreier Wildbrethygiene; anschließend folgen Transport und Kühlung.

verstoßen

Der Beizvogel kommt auf der Beizjagd abhanden – er hat sich verstoßen. Der Falkner versucht, den verstoßenen Vogel mit dem Federspiel zurückzurufen; heute hilft dabei vielfach die Telemetrie.

verstreichen

Federwild, das sein Standrevier verlässt, verstreicht. Der Ausdruck leitet sich vom Streichen ab, dem Fliegen des Federwildes; ein verstrichener Hahn ist für den Jäger im Revier verloren.

vertraut

Das Wild ist vertraut, wenn es nicht argwöhnisch oder misstrauisch ist und sich ungestört verhält. Das Gegenteil ist heimliches oder vergrämtes Wild; vertraut äsendes Wild lässt sich in Ruhe ansprechen.

verwaist

Junges Wild, das die Mutter verloren hat, oder ein Rudel, dem das Leittier fehlt, ist verwaist. Der Muttertierschutz verbietet deshalb vielerorts, das führende Stück vor dem abhängigen Jungwild zu erlegen.

verweisen

Der Hund macht den Jäger auf etwas aufmerksam, etwa auf Schweiß, Schnitthaar oder das gefundene Stück. Beim Totverweisen führt er den Jäger gezielt zum verendeten Wild; auch der Schweißhund verweist Pirschzeichen auf der Fährte.

verwerfen

Wenn Raubwild oder Hunde tote Junge gebären, verwerfen sie. Daneben verwirft der Beizvogel, wenn er die Atzung wieder herauswürgt; bei Schalenwild, Hase und Kaninchen heißt das Gebären toter Junge dagegen versetzen.

verwittern

Das Freimachen von Eisen und Fallen von menschlicher Witterung, etwa durch Auskochen, Abflämmen oder Lagern in Erde und Nadelreisig. Nur gut verwitterte Fallen nimmt das misstrauische Raubwild an.

verwölfen

Eine andere Bezeichnung für das Verwerfen, das Gebären toter Junge bei Raubwild und Hund. Der Ausdruck leitet sich vom Wölfen ab, dem Gebären der Hündin; bei Schalenwild, Hase und Kaninchen spricht man vom Versetzen.

Vierballenzeichen

Fährtenzeichen des Rotwildes beim leichten Übereilen: Der Hinterlauf steht etwas vor dem Vorderlauf, sodass sich vier Ballenabdrücke zeigen bzw. die Ballen aneinander anschließen.

Viole

Stark riechendes Duftmarkierungsorgan auf der Oberseite der Lunte nahe der Luntenwurzel bei Fuchsrüde und Fähe; auch Nelke genannt. Das Sekret erinnert an Veilchenduft und dient der Markierung.

visieren

Eine andere Bezeichnung für das Zielen. Über die Visierung – offene Visierung mit Kimme und Korn oder Zielfernrohr – richtet der Schütze die Waffe auf das Ziel aus, bevor er den Schuss antragen kann.

Vogeldunst

Die feinsten Schrote mit einem Durchmesser unter zwei Millimetern. Für die Jagd spielt Vogeldunst heute keine Rolle mehr; je nach Wildart sind größere Schrotdurchmesser üblich und vielerorts Mindestgrößen vorgegeben.

Volk

Eine Familie von Rebhühnern, auch Kette genannt. Das Volk besteht aus dem Elternpaar und den Jungvögeln und hält bis zum Spätwinter zusammen, ehe sich die Paare zur neuen Brutzeit trennen.

Vordersprosse

Die nach vorn weisende Sprosse des Gehörns oder Geweihes. Beim Sechserbock trägt jede Stange eine Vorder- und eine Hintersprosse; die Zahl und Stellung der Sprossen ist ein wichtiges Merkmal beim Ansprechen.

vorgreifen

Das Bogenschlagen mit dem Schweißhund, wenn die Fährte verloren wurde: Der Hundeführer greift vor, um die Fährte weiter vorn von neuem zu finden. Das Vorgreifen gehört zum Handwerkszeug jeder schwierigen Nachsuche.

vorliegen

Der Jagdhund liegt im Bau dicht vor Dachs oder Fuchs und verbellt ihn anhaltend. Das Vorliegen zeigt dem Jäger an, wo das Raubwild im Bau steckt, und ist eine geschätzte Eigenschaft des Erdhundes bei der Baujagd.

Vorschlag

Beim Rothirsch der Bereich des Schulterblatts mit den ersten drei Rippen; bei alten Hirschen besonders stark entwickelt.

Vorschütt

Der Fraß, der den Sauen vorgeschüttet wird, etwa an der Kirrung; auch Vorwurf genannt. Art und Menge des erlaubten Futters sind je nach Bundesland unterschiedlich geregelt – die Kirrung dient dem Ansitz, nicht der Fütterung.

vorstehen

Die bewegungslose, angespannte Haltung des Hundes, mit der er anzeigt, dass unmittelbar vor ihm Wild in der Deckung steckt. Das Vorstehen ist das namensgebende Merkmal der Vorstehhunde; oft hebt der Hund dabei einen Vorderlauf.

Vorstehhund

Ein Jagdhund, der gefundenes Federwild anzeigt, indem er regungslos davor verharrt, bis der Führer heran ist. Er sucht das Feld systematisch ab und arbeitet nach dem Schuss auch als Apporteur. Vorstehhunde gelten als Vollgebrauchshunde für Feld, Wald und Wasser.

Vorstehtreiben

Eine Treibjagd, bei der jeder Schütze während des gesamten Treibens auf dem ihm zugewiesenen Stand verharrt. Die Schützen umstellen das Treiben, während die Treiberwehr das Wild zudrückt; diszipliniertes Verhalten am Stand ist dabei oberstes Gebot.

Vorsuche

Die frühere Bezeichnung für das Bestätigen des Rotwildes mit dem Jagdhund. Dazu diente der am Riemen geführte Leithund, mit dem vor der Jagd geprüft wurde, ob der Hirsch im Einstand steckt.

Vortragezeit

Die teils monatelange Unterbrechung der Embryonalentwicklung, auch Keimruhe genannt, durch die sich die Tragzeit mancher Wildarten verlängert – etwa bei Rehwild, Dachs, Marder, Hermelin und Seehund. Beim Rehwild folgt auf die Blattzeit im Sommer so das Setzen erst im Mai oder Juni.

Vorwurf

Eine andere Bezeichnung für die Vorschütt, den Fraß, der den Sauen vorgeschüttet wird. Beides gehört zum Umfeld der Kirrung, mit der Schwarzwild für den Ansitz angelockt wird; je nach Bundesland gelten dafür eigene Vorschriften.

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