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Jägersprache mit B
118 Begriffe – von der Jagdpraxis bis zur Prüfungsvorbereitung.
Bache
Das weibliche Stück Schwarzwild. Im ersten Lebensjahr spricht man von der Frischlingsbache, im zweiten von der Überläuferbache, im dritten von der angehenden Bache; ab dem vierten Lebensjahr gilt sie als starke, alte oder grobe Bache.
Backe
Der backenartige Ansatz am Gewehrkolben, an den die Wange angelegt wird. Sie sorgt dafür, dass das Auge immer gleich zum Zielfernrohr steht – Voraussetzung für einen wiederholbar sicheren Anschlag.
bähen
Das Blöken der Muffelschafe. Die Lautäußerung ähnelt der des Hausschafes; vor allem Schafe und Lämmer halten so Kontakt im Rudel. Für die Lautäußerungen anderer Wildarten kennt die Jägersprache jeweils eigene Begriffe, etwa das Blädern des Gamsbockes.
Bail
Das Stellen eines kranken Stückes durch den Schweißhund, wobei der Hund das Stück mit anhaltendem Standlaut bindet; auch die so entstandene Stellsituation heißt Bail („im Bail stehen“).
Balg
Die abgezogene Haut samt Haarkleid von Haarraubwild wie Fuchs und Marder sowie von Hase und Kaninchen; das Abziehen heißt Abbalgen. Beim Schalenwild spricht man dagegen von der Decke, beim Schwarzwild von der Schwarte.
Ballen
Die weichen, hinteren Auftrittsflächen an den Schalen des Schalenwilds sowie die Sohlenballen bei Raubwild und Jagdhund. Ihr Abdruck im Trittsiegel liefert beim Ansprechen der Fährte wichtige Hinweise auf Wildart, Alter und Stärke.
Balz
Die Begattungszeit bei Auer-, Birk- und Haselwild sowie bei Trappen, Kranichen, Fasanen, Schnepfen und Wildtauben. Beim Schalenwild heißt die Paarungszeit dagegen Brunft, beim Fuchs Ranz; die Balz der Waldhühner zählt zu den eindrucksvollsten Schauspielen des Jagdjahres.
Balzarie
Die Lautäußerung des Auerhahns während der Balz. Sie läuft in festen Abschnitten ab; im sogenannten Schleifen ist der Hahn für wenige Sekunden taub – nur in diesem Moment lässt er sich anspringen.
balzen
Die Lautäußerungen und das Gebaren des Federwildes während der Balz. Der Auerhahn balzt etwa mit Knappen, Trillern, Hauptschlag und Schleifen; während des Schleifens nimmt er kurzzeitig kaum etwas wahr, worauf die Pirsch des Balzjägers beruht.
Balzflug
Der auffällige Flug männlichen Federwilds während der Balz, mit dem der Hahn um Weibchen wirbt und sein Revier markiert. Bekanntestes Beispiel ist der abendliche Balzflug der Waldschnepfe, der Schnepfenstrich, begleitet von Quorren und Puitzen.
Balzgesang
Die Lautäußerung des Birkhahns während der Balz: ein weit tragendes Kullern, unterbrochen von zischenden Lauten. Über offenes Moor ist es weithin zu hören.
Balzkragen
Die gesträubten Halsfedern beim balzenden Auerhahn. Zusammen mit dem gefächerten Stoß und der aufgerichteten Haltung gehört der Balzkragen zum vollen Imponiergehabe.
Balzpech
Die breiförmige Losung des Auerhahns während der Balzzeit. Sie unterscheidet sich deutlich von der festen Losung außerhalb der Balz und verrät dem Kundigen den Balzplatz.
Balzplatz
Der Ort, an dem die Balz stattfindet. Balzplätze werden über viele Jahre hinweg immer wieder aufgesucht – Störungen dort wirken sich deshalb besonders nachhaltig auf den Bestand aus.
Balzrosen
Die warzigen, meist roten Hautwülste über den Augen der Waldhühner, Fasanen sowie Schnee- und Steinhühner, die während der Balz stark anschwellen. Sie sind beim Hahn besonders ausgeprägt und dienen der Imponierwirkung.
Balzsprung
Das Hochspringen des am Boden balzenden Auer-, Birk- oder Fasanenhahns. Der Sprung wird meist von Flügelschlagen begleitet und gehört zum festen Ablauf der Balz.
Balzstift
Die hornigen Fortsätze an den Zehen von Auer- und Birkwild, auch Zehenstift genannt. Sie wachsen zum Winter hin und wirken wie Schneeschuhe; im Frühjahr werden sie wieder abgeworfen.
Balzzeit
Die Begattungszeit bei allem Federwild, das balzt. Sie liegt je nach Art im Frühjahr und ist die empfindlichste Phase des Jahres – entsprechend streng sind Schonzeiten und Störungsverbote.
Bär
Die Bezeichnung für das männliche Murmeltier. Das weibliche Stück heißt Katze, der Nachwuchs Affe.
Bart
Beim Gamswild die verlängerten Rückenhaare des Aalstrichs im Winterhaar, die als Gamsbart den Hut schmücken — kein Kinnbart. Auch der Auerhahn trägt einen Bart aus abstehenden Kehlfedern, den er bei der Balz sträubt.
Basse
Die Bezeichnung für einen starken, alten Keiler. Ein Basse trägt kräftige Waffen und einen ausgeprägten Schild an den Blättern, der ihn im Kampf schützt.
Bast
Die wollig behaarte, gut durchblutete Haut, die Geweih oder Gehörn während des Wachstums überzieht und ernährt. Nach Abschluss des Wachstums stirbt der Bast ab und wird vom Wild an Bäumen und Sträuchern gefegt.
Bau
Die unterirdische Wohnanlage von Fuchs, Dachs oder Kaninchen aus Röhren und Kesseln. Dachsbaue sind oft über Generationen bewohnt und werden vom Fuchs mitgenutzt. Bei der Baujagd sprengen Erdhunde wie Teckel oder Terrier den Fuchs aus dem Bau.
Bayerischer Gebirgsschweißhund
Eine leichtere Schweißhundrasse, entstanden aus Hannoverschem Schweißhund und Gebirgsbracken, für die Nachsuche im steilen Gelände. Er ist wendig, ausdauernd und fährtenlaut ausgebildet als Totverbeller oder Totverweiser. Im Alpenraum ist er der verbreitetste Spezialist für die Schweißarbeit.
Bedenkliche Merkmale
Auffälligkeiten vor oder nach dem Erlegen, die Zweifel daran wecken, ob das Wildbret als Lebensmittel taugt. Beispiele sind – je nach einschlägiger Regelung – abnormes Verhalten oder ein gestörter Allgemeinzustand, Tod aus anderer Ursache als durch Erlegen, zahlreiche Tumoren oder Abszesse, bestimmte Organentzündungen, Parasitenbefall, erhebliche Abweichungen von Farbe, Konsistenz oder Geruch, Auszehrung, Ödeme, nicht jagdbedingte offene Brüche und Verwesung. Die maßgeblichen Listen unterscheiden sich: In Deutschland nennt Anlage 4 Nummer 1.3 der Tier-LMHV dreizehn nummerierte Fallgruppen, in Österreich gilt bei der Direktvermarktung Artikel 28 der EU-Durchführungsverordnung 2019/627. Beide enthalten mehr Merkmale als hier genannt. Werden bedenkliche Merkmale festgestellt, ist das Stück in Deutschland zur amtlichen Fleischuntersuchung anzumelden. In Österreich verständigt die kundige Person den zuständigen amtlichen Tierarzt; das entfällt nur, wenn der Tierkörper unschädlich beseitigt wird.
beeren
Die Aufnahme von Beeren durch das Federwild. Auer- und Birkwild beeren im Spätsommer und Herbst etwa an Heidel- und Preiselbeersträuchern; beerenreiche Flächen sind deshalb wertvolle Einstände für Waldhühner.
befahren
Der Zustand eines Baues, der bewohnt ist, etwa von Fuchs, Dachs oder Kaninchen. Ob ein Bau befahren ist, erkennt der Jäger an frischen Spuren, Losung oder ausgeworfener Erde vor den Röhren.
beflogen
Federwild, das flügge geworden ist und fliegen kann. Sobald die Jungvögel beflogen sind, sind sie deutlich weniger durch Beutegreifer und Mahd gefährdet als in der Zeit am Boden.
befriedet
Befriedete Bezirke sind Flächen, auf denen das Jagdausübungsrecht ruht. Dazu zählen je nach Landesrecht dem Aufenthalt von Menschen dienende Gebäude samt zusammenhängenden Hofräumen und Hausgärten sowie Friedhöfe, öffentliche Grünflächen oder Sportplätze. Die Jagd ist dort grundsätzlich nicht gestattet.
begehen
Das Durchstreifen des Revieres durch den Jäger aus Gründen des Jagdschutzes und der Revierbetreuung. Beim Begehen werden Einrichtungen kontrolliert, Wildvorkommen erfasst und Störungen festgestellt; die dafür erteilte Jagderlaubnis heißt Begehungsschein.
Begehungsschein
Die zeitlich befristete, schriftliche Jagderlaubnis, die über einen Einzelabschuss hinausgeht und entgeltlich oder unentgeltlich erteilt wird. Sie gestattet dem Inhaber, die Jagd ohne Begleitung des Jagdpächters auszuüben; Einzelheiten regelt je nach Bundesland das Jagdrecht.
Behang
Die herabhängenden Ohren der Jagdhunde. Auch hier trennt die Jägersprache sauber: Der Hund hat Behang, das Schalenwild Lauscher, der Hase Löffel und das Schwarzwild Teller.
Beihirsch
Ein in der Regel jüngerer und schwächerer Hirsch, der sich einem starken Hirsch anschließt und von diesem teilweise geduldet wird, und das nicht nur während der Brunftzeit. Vom Platzhirsch, der das Brunftrudel verteidigt, ist er klar zu unterscheiden.
Beitritt
Ein klassisches Fährtenzeichen des Rotwildes: Der Abdruck des Hinterlaufes steht seitlich neben dem des Vorderlaufes. Der Beitritt wird besonders beim Feisthirsch beobachtet, kann aber auch bei einem hochbeschlagenen Tier vorkommen und erlaubt für sich allein keine sichere Geschlechtsbestimmung.
Beize
Die Jagd mit abgetragenen Greifvögeln. Die Beize zählt zu den ältesten Jagdarten überhaupt; wer sie ausüben will, braucht neben dem Jagdschein eine bestandene Falknerprüfung.
Beizvogel
Die Sammelbezeichnung für alle zur Beizjagd geeigneten Vögel. Am häufigsten geführt werden Habicht, Wanderfalke und Harris Hawk, seltener der Steinadler.
belegen
Das Begatten einer Hündin durch den Rüden. Die belegte Hündin wölft nach rund 63 Tagen; beim Schalenwild spricht die Jägersprache dagegen vom Beschlagen, beim Federwild vom Treten.
Bergstutzen
Ein kombiniertes Jagdgewehr mit einem groß- und einem kleinkalibrigen Büchsenlauf, die übereinander angeordnet sind; die Waffe ist bis zur Laufmündung geschäftet. Der Bergstutzen stammt aus dem alpenländischen Raum; von der Doppelbüchse unterscheidet ihn das ungleiche Kaliberpaar.
Besatz
Die Gesamtheit oder Stückzahl des in einem Revier vorhandenen Niederwildes, ausgenommen Rehwild. Der Besatz wird durch Zählungen ermittelt und bildet die Grundlage der Abschussplanung.
beschicken
Das Einbringen von Futter in eine Fütterung oder Schütte. Fütterungen werden in der Notzeit regelmäßig beschickt; Art und Zulässigkeit der Wildfütterung sind je nach Bundesland unterschiedlich geregelt.
Beschlag
Der Begattungsakt bei allem Schalenwild. Je nach Wildart trägt die zugehörige Paarungszeit einen eigenen Namen – Brunft beim Rotwild, Blattzeit beim Rehwild, Rauschzeit beim Schwarzwild.
beschlagen
Das Begatten beim Schalenwild: Der Rehbock beschlägt die Ricke, der Keiler die Bache. Der Begriff bezeichnet den eigentlichen Paarungsakt während Brunft, Blattzeit oder Rauschzeit. Beim Hund spricht der Jäger dagegen vom Decken, beim Hasen vom Rammeln.
Bestand
Bestand bezeichnet die Zahl oder Gesamtheit der Individuen einer Wildart in einem Gebiet. In der traditionellen Jägersprache wird der Ausdruck vor allem für Hoch- und Rehwild verwendet, während beim Niederwild Besatz steht.
Beständer
Regionale Bezeichnung für den Jagdherrn bzw. den Jagdausübungsberechtigten, insbesondere den Inhaber oder Pächter eines Reviers; der Ausdruck ist vor allem in Teilen Süd- und Westdeutschlands gebräuchlich.
bestätigen
Das sichere Feststellen und genaue Ansprechen eines bestimmten Stückes Wild samt seinem angestammten Standort oder Wechsel. Ein bestätigter Hirsch ist dem Jäger also nach Einstand und Ansprache verlässlich bekannt. Auch Fuchs oder Marder werden am Bau bestätigt.
bestreiten
Das fruchtbare Begatten einer bestimmten Anzahl von Fasanenhennen durch einen Hahn. In der Fasanenzucht bestreitet ein Hahn üblicherweise einen kleinen Stamm von Hennen. Bei anderem Federwild spricht der Jäger allgemein vom Treten oder Betreten.
betreten
Das Begatten beim Federwild: Der Hahn tritt oder betritt die Henne. Beim Schalenwild heißt derselbe Vorgang Beschlagen, beim Hasen Rammeln. Die saubere Trennung dieser Begriffe gehört zum klassischen Prüfungswissen der Jägersprache.
Bett
Der Ruheplatz des Schalenwildes. Das Schwarzwild bildet die Ausnahme – es ruht im Kessel. Betten sind an niedergedrückter Vegetation und der ausgeformten Körpermulde zu erkennen.
Betze
Die Bezeichnung für die Fuchsfähe, also das weibliche Stück beim Fuchs. Gebräuchlicher ist der Ausdruck Fähe.
Beuchel
Ein klassisches Fährtenzeichen des Rotwildes: Flüchtet ein Hirsch an einem Hang, können durch den Bodendruck hangabwärts unterhalb seiner Schalenabdrücke kleine, eiförmige Erderhöhungen entstehen. Diese heißen Beuchel.
Bewegungsjagd
Eine Gesellschaftsjagdart, bei der vor allem Schalenwild auf großer Fläche durch wenige Treiber und Hunde nur beunruhigt und zum Verlassen des Einstandes veranlasst wird. Anders als bei der klassischen Treibjagd soll das Wild vertraut und langsam anwechseln, damit sichere, ansprechbare Schüsse möglich bleiben.
bewohnen
Der ständige Aufenthalt des Dachses in seinem Bau. Die Jägersprache trennt fein: Der Dachs bewohnt den Bau, der Fuchs fährt lediglich ein und befährt ihn. Ein bewohnter Bau ist an frischen Zeichen wie Losung und geputzten Röhren erkennbar.
Bezoar
Ein Fremdkörper im Magen-Darm-Trakt, der aus einem Konvolut verschluckter, unverdaulicher Materialien besteht. Bei Wiederkäuern bekannt sind die kugelig verfilzten Bezoare aus Haaren und Pflanzenfasern. Mit der zähen Masse in den Tränengruben des Rothirsches hat der Begriff nichts zu tun.
Billwißgang
Der Pass des Hasen im Getreide – also der ausgetretene Wechsel, den er beim regelmäßigen Durchqueren eines Feldes hinterlässt. Ein alter, heute kaum noch gebräuchlicher Ausdruck.
binden
Das Greifen und Festhalten der Beute durch den Beizfalken mit seinen Fängen. Bindet der Vogel, hält er das geschlagene Wild am Boden fest, bis der Falkner hinzukommt und die Beute übernimmt. Das Binden ist der erfolgreiche Abschluss des Beizfluges.
binzen
Das Abscheuern der Pennen, also der großen Schwung- und Stoßfedern, beim Beizvogel. Beschädigte Federn mindern die Flugleistung; der Falkner beugt durch geeignete Haltung und Ausrüstung vor.
Birkfuchs
Ein Fuchs mit auffallend hellem Balg, weißer Blume und weißer Kehle. Es handelt sich nicht um eine eigene Art, sondern um eine Farbvariante – das Gegenstück dazu ist der dunkle Brandfuchs.
Birkhahn
Der Birkhahn ist das männliche Stück des Birkwilds. Das Birkhuhn ist ein mittelgroßes Raufußhuhn und deutlich kleiner als das Auerhuhn. Ein adulter Birkhahn ist gewöhnlich gut zu erkennen: glänzend blauschwarzes Gefieder, leuchtend rote Rosen über den Augen, weiße Unterschwanzdecken und der leierförmige Stoß, der in der Jägersprache Spiel heißt. Seine äußeren, nach außen gekrümmten Steuerfedern sind die Sicheln; sie werden als Spielhahnfedern traditionell als Hutschmuck getragen. Die Henne, die Birkhenne, ist braun getarnt. Seltene Hybriden aus Birkhahn und Auerhenne heißen Rackelwild und können die Bestimmung erschweren. Birkwild bewohnt offene und halboffene Landschaften: Moore, Heiden, Almen und die Kampfzone an der Waldgrenze. Vor allem in den mitteleuropäischen Tieflagen ließen Moorentwässerung, Aufforstung, Verbuschung und die Zerschneidung geeigneter Lebensräume die Bestände stark zurückgehen. Kennzeichnend ist die Gruppenbalz. Im Frühjahr versammeln sich mehrere Hähne auf einem traditionellen Balzplatz, der über Jahre genutzt wird. Dort tragen sie zwei Lautäußerungen vor: das anhaltende, blubbernde Kollern, das an entferntes Gurgeln erinnert, sowie kurze, scharfe Zisch- oder Fauchtöne. Dabei wird das Spiel aufgefächert; Sprünge und ritualisierte Rangkämpfe begleiten die Balz. In Deutschland ist Birkwild ganzjährig geschont. In Österreich richten sich Schonzeit und etwaige Entnahmen nach dem jeweiligen Landesrecht; in den Alpenländern Kärnten, Oberösterreich, Salzburg, Steiermark, Tirol und Vorarlberg sind zeitlich und zahlenmäßig eng begrenzte Ausnahmen für Birkhähne möglich.
bisten
Das Locken des Haselhahnes. Der Jäger ahmt den feinen, hohen Pfiff des Hahnes mit einer kleinen Lockpfeife nach, um den revierbesitzenden Hahn heranzurufen und in Anblick zu bekommen.
blädern
Die meckernde Lautäußerung des Gamsbockes während der Brunft. Der brunftige Bock blädert vor allem beim Treiben der Geiß. Davon zu unterscheiden ist das scharfe Pfeifen, mit dem Gamswild vor Gefahr warnt.
Blankwaffe
Die kalte Waffe des Jägers mit Klinge, etwa Hirschfänger, Waidblatt, Saufeder oder Nicker. Blankwaffen dienen dem Abfangen kranken oder wehrhaften Wildes sowie dem Versorgen des Stückes und gehören traditionell zur Jagdausrüstung, teils auch zur Jagdtracht.
blasen
Blasen bezeichnet das Spielen von Jagdsignalen auf einem Jagdhorn. Beim Schwarzwild heißt so außerdem ein hörbarer Warn- oder Schrecklaut, der Beunruhigung anzeigt, aber für sich allein keine Angriffsbereitschaft beweist.
Blatt
Die Klinge des Jagdmessers, auch ein besonders großes und breites Jagdmesser. Häufiger begegnet der Ausdruck allerdings in anderer Bedeutung: Als Blatt bezeichnet die Jägersprache auch die Schulter des Schalenwildes – daher der Blattschuss.
blatten
Das Nachahmen des Fiepens von Ricke oder Kitz mit dem Blatter, um den Rehbock anzulocken. Der Name kommt vom ursprünglich verwendeten Buchenblatt. Die Blattjagd fällt in die Blattzeit, die hochsommerliche Brunft des Rehwildes.
Blatter
Ein Instrument, mit dem sich die Lautäußerungen der Ricke nachahmen lassen. Der Jäger lockt damit während der Blattzeit den Bock heran; vom Blatter leitet sich das Verb blatten ab.
Blattzeit
Die Begattungszeit beim Rehwild, etwa von Ende Juli bis Mitte August. Der Name stammt vom Blatten – dem Nachahmen des Fiepens der Ricke, mit dem sich der Bock in dieser Zeit heranlocken lässt.
Blei
Blei antragen bedeutet, ein Stück Wild zu beschießen. Der Ausdruck stammt aus der Zeit der Bleigeschosse und ist heute weitgehend veraltet – nicht zuletzt, weil bleifreie Munition zunehmend vorgeschrieben ist.
Bleizeichen
Ein Fährtenzeichen des Rothirsches: Die Fährte steht auf nacktem Fels, als wäre sie mit Blei nachgezeichnet. Sie entsteht durch den Abrieb der Schalen und verrät dem geübten Fährtenleser den Zug des Hirsches auch auf hartem Grund.
blenden
Das Vorstehen des Jagdhundes, ohne dass er tatsächlich Wildwitterung hat. Blenden gilt beim Vorstehhund als Fehler und ist vom echten Vorstehen ebenso zu unterscheiden wie vom Blinken, bei dem der Hund gefundenes Wild absichtlich verleugnet.
blinken
Ein Fehler des Jagdhundes: Er hat das Wild gefunden, verleugnet es aber absichtlich und zeigt es seinem Führer nicht an. Blinken gilt als schwerwiegender Wesensfehler und ist vom Blenden zu unterscheiden, dem Vorstehen ohne Witterung.
Blohm
Alter, regionaler Ausdruck für den Brunftplatz des Hirsches bzw. für eine Stelle, an der sich der brunftige Hirsch aufhält und nach älterer Überlieferung abkühlt.
Blume
Der Schwanz des Hasen oder des Wildkaninchens – kurz und an der Unterseite weiß. Auch hier trennt die Jägersprache streng: Der Fuchs trägt eine Lunte, das Rotwild einen Wedel.
Bock
Übereinander liegende Gewehrläufe, wie bei der Bockdoppelflinte oder der Bockbüchsflinte. Liegen die Läufe nebeneinander, spricht man dagegen von einer Querflinte oder Doppelflinte.
Bock
Das männliche Stück beim Reh-, Gams- und Steinwild. Kenntlich am Kopfschmuck: Der Rehbock trägt ein Gehörn, die Gams Krucken, der Steinbock Hörner.
Bockbüchsflinte
Eine kombinierte Waffe mit zwei übereinanderliegenden Läufen: einem gezogenen Büchsenlauf für die Kugel und einem glatten Flintenlauf für den Schrotschuss. Sie erlaubt im gemischten Revier den schnellen Wechsel zwischen Kugel und Schrot; meist liegt der Flintenlauf oben.
Bockdoppelbüchse
Eine zweiläufige Kugelwaffe, deren gezogene Läufe übereinander angeordnet sind. Sie ermöglicht zwei schnelle Kugelschüsse ohne Repetieren und wird vor allem auf Drückjagden und bei der Jagd auf wehrhaftes Wild geschätzt. Das Zusammenschießen beider Läufe erfordert sorgfältige Abstimmung.
Bockdoppelflinte
Eine Flinte mit zwei übereinanderliegenden glatten Läufen für den Schrotschuss. Sie ist heute die verbreitetste Flintenbauart, liegt führig im Anschlag und dient dem jagdlichen wie dem sportlichen Flintenschießen. Bei der Doppelflinte liegen die Läufe dagegen nebeneinander.
Bockdrilling
Ein dreiläufiges Gewehr mit einem Flintenlauf, einem darunterliegenden großkalibrigen Büchsenlauf und einem seitlich neben diesen beiden Läufen liegenden kleinkalibrigen Kugellauf. Anders als beim klassischen Drilling sind die Hauptläufe übereinander angeordnet, was eine schlanke Bauform ergibt.
Borste
Das steife, harte Haar des Schwarzwildes. Zusammen mit der weichen Unterwolle bildet es das Haarkleid der Schwarte; entlang des Rückgrats stehen die Borsten als Federn auf, wenn das Stück droht.
Bracke
Ein spurlaut jagender Jagdhund, der Hase oder Fuchs anhaltend auf der Fährte verfolgt, etwa die Deutsche Bracke oder die Brandlbracke. Die klassische Brackierjagd erfordert große, ruhige Reviere; heute werden Bracken vielfach als Stöberhunde auf Bewegungsjagden geführt.
brackieren
Das Jagen mit Bracken: Die spurlauten Hunde verfolgen Hase oder Fuchs anhaltend auf der Spur, bis das Wild in weitem Bogen zum Ausgangspunkt zurückkehrt, wo der Jäger es abpasst. Diese alte Jagdart nutzt die Ortstreue des Hasen.
Brackierhund
Ein Jagdhund, der die Fährte oder Spur des Wildes selbstständig ausarbeitet und dabei laut jagt (Spurlaut). Das gejagte Wild zieht im weiten Bogen zum Ausgangsort zurück, wo der Schütze am Stand wartet. Anders als der Stöberhund arbeitet er weiträumig und über lange Strecken.
Brand
Die rostroten bis lohfarbenen Abzeichen im Haarkleid eines Jagdhundes, etwa über den Augen, am Fang und an den Läufen. Schwarze Hunde mit solchen Abzeichen heißen schwarz mit Brand; die Brandlbracke verdankt dem Brand ihren Namen.
Brandadern
Starke Venen im Beckenbereich an den Innenseiten der Keulen des Schalenwildes. Beim Aufbrechen werden sie traditionell beiderseits am Keulenansatz aufgeschärft, damit das Stück besser ausschweißen kann.
Brandfuchs
Ein dunkel gefärbter Fuchs mit dunklem Bauch und dunkler Kehle. Wie der helle Birkfuchs ist er lediglich eine Farbvariante des Rotfuchses, keine eigene Art.
Brandlbracke
Eine österreichische Bracke, auch Vieräugl genannt, schwarz mit lohfarbenen Abzeichen über den Augen. Sie wird als spurlauter Brackierhund und für die Nachsuche auf Schalenwild geführt. Ihr Einsatzgebiet sind vorwiegend Mittelgebirgs- und Bergreviere.
Brauchbarkeitsprüfung
Eine Prüfung, mit der ein Jagdhund seine Tauglichkeit für bestimmte jagdliche Aufgaben wie Nachsuche, Stöbern oder Wasserarbeit nachweist. Umfang, Fächer und die Frage der Verpflichtung sind je nach Bundesland unterschiedlich geregelt. Vielerorts gilt sie als Voraussetzung für den Einsatz bei bestimmten Jagdarten.
Brauchtum
Die Gesamtheit der Bräuche im Jagdalltag – vom letzten Bissen über den Bruch und das Streckelegen bis zu den Jagdsignalen und dem Waidmannsheil. Das Brauchtum dient dem Respekt vor dem Wild und stiftet zugleich Gemeinschaft.
brechen
Das Abkippen des Laufes oder der Läufe bei Kipplaufwaffen zum Laden und Entladen. Daneben kennt die Jägersprache brechen auch für das Aufwühlen des Bodens durch Schwarzwild bei der Nahrungssuche.
breit
Ein Stück Wild steht breit, wenn es dem Schützen die volle Körperseite zuwendet. Nur das breit stehende Stück bietet das sichere Ziel für den Kammer- oder Blattschuss; auf spitz oder schräg stehendes Wild wird der Schuss besser nicht angetragen.
Brille
Ein mehr oder weniger heller Ring um die Lichter des Rehbocks. Die Brille ist von Stück zu Stück unterschiedlich ausgeprägt und hilft, einzelne Böcke im Revier wiederzuerkennen.
bringen
Das Apportieren geschossenen Wildes durch den Jagdhund. Der brauchbare Hund bringt das Stück zügig zu seinem Führer und gibt es korrekt aus. Das Verlorenbringen, also das selbstständige Finden und Bringen nicht gesehenen Wildes, ist Bestandteil vieler Jagdhundeprüfungen.
Bringsel
Ein kurzes Lederband an der Halsung des Totverweisers. Findet der Hund das verendete Stück, nimmt er das Bringsel in den Fang und kehrt damit zu seinem Führer zurück. So weiß der Jäger, dass das beschossene Wild verendet ist, und lässt sich vom Hund zum Stück führen.
Bringselverweiser
Ein Nachsuchenhund, der das am Halsung befestigte Bringsel aufnimmt, sobald er das tote Stück gefunden hat, und damit zum Führer zurückkehrt. Anschließend führt er ihn zum Wild. Er verbindet damit das Zurückkommen des Totverweisers mit einem eindeutigen sichtbaren Zeichen.
Bringtreue
Die zuverlässige Eigenschaft eines Hundes, gefundenes Wild ohne Zögern und ohne Ablegen bis zum Führer zu bringen. Sie zeigt sich besonders bei weiten Wegen und schwerem Wild. Fehlende Bringtreue führt zum Verlorengehen von Wild und gilt als schwerer Mangel.
Bruch
Der abgebrochene, meist benadelte Zweig als jagdliches Zeichen. Brüche kennzeichnen etwa den Anschuss oder warnen als Warnbruch; der Erlegerbruch ehrt den Schützen, der letzte Bissen wird dem Stück in den Äser gelegt. Als bruchgerecht gelten vielerorts Eiche, Erle, Fichte, Tanne und Kiefer.
Bruck
Die flaumigen Unterschwanzdeckfedern des Habichts in der Falknersprache. Gemeint ist die weiche Federpartie unter dem Stoß – nicht eine einzelne Feder und nicht die Stoßfedern selbst.
brummen
Die Lautäußerung des Bären. Der Bär brummt bei Unbehagen oder Erregung; bei akuter Drohung kann daraus lautes Brüllen werden. In der heimischen Jagdpraxis spielt der Begriff kaum eine Rolle, gehört aber zur klassischen Jägersprache.
Brunft
Die Begattungszeit des Schalenwildes. Beim Rotwild fällt sie auf September und Oktober, beim Damwild etwas später. Eigene Namen tragen die Paarungszeiten beim Rehwild – die Blattzeit – und beim Schwarzwild, wo man von Rauschzeit spricht.
Brunftfalte
Eine paarige Hautfalte an den Stellen der Rosenstöcke, besonders bei weiblichem und jungem Rot- und Damwild. Sie enthält vermehrt Hautdrüsen und kann während der Brunft etwas anschwellen; bei männlichen Stücken schwindet sie mit der Ausbildung der Rosenstöcke.
Brunftfeige
Die Drüse am Hinterhaupt des Gamswildes, die während der Brunft anschwillt. Sie sitzt hinter den Krucken und sondert ein streng riechendes Sekret ab, mit dem der Bock sein Revier kennzeichnet.
Brunftfleck
Andere Bezeichnung für den Brand: der dunkle, häufig feuchte Fleck an der Bauchunterseite um bzw. vor der Brunftrute des Hirsches, der in der Brunft durch Harn, Samen- und weitere Geschlechtssekrete sowie Verschmutzung entsteht.
Brunfthirsch
Ein Hirsch, der sich in der Brunft befindet. Er ist am angeschwollenen Träger, an der Brunftmähne und am Schlamm der Suhle zu erkennen – und daran, dass er kaum äst und dabei erheblich an Gewicht verliert.
brunftig
Der Zustand des weiblichen Schalenwildes während der Brunft, in dem es die Annäherung des männlichen Stückes sucht und duldet. Andere Wildarten haben eigene Begriffe: Die Häsin ist ramlig, die Bache rauschig, die Hündin läufig.
Brunftkugeln
Die Hoden des Schalenwildes. Wie für viele Körperteile führt die Jägersprache auch hier einen eigenen Ausdruck.
Brunftmähne
Die langen Haare am Träger des Rothirsches, also am Hals. Sie wachsen vor der Brunft und lassen den Träger mächtiger erscheinen – ein Teil des Imponiergehabes.
Brunftplatz
Der Ort, an dem die Brunft stattfindet. Brunftplätze werden über Jahre hinweg immer wieder aufgesucht; Störungen dort führen dazu, dass das Rotwild abwandert.
Brunftrute
Das männliche Glied bei allem Schalenwild.
Brunftschrei
Die Lautäußerung des brunftigen Hirsches, auch Röhren genannt. Sie trägt weit durch den Wald, hält Nebenbuhler auf Abstand und zeigt dem Kahlwild die Anwesenheit des Platzhirschs an.
Brut
Das Brüten der Vögel und zugleich die Gesamtheit der jungen Vögel eines Geleges. Während der Brutzeit gilt im Revier besondere Rücksicht.
Büchse
Ein Gewehr mit gezogenem Lauf – die Züge versetzen das Geschoss in Drall und machen es dadurch auf weite Entfernung treffsicher. Das Gegenstück ist die Flinte mit glattem Lauf, aus der Schrot verschossen wird.
Büchsenlicht
Das natürliche Tages- oder Mondlicht, das ausreicht, um einen treffsicheren Schuss anzubringen. Der Begriff hat praktische Bedeutung: An ihm orientieren sich die zulässigen Jagdzeiten am Morgen und am Abend.
Büchsflinte
Eine kombinierte Waffe mit zwei nebeneinanderliegenden Läufen, einem gezogenen Büchsenlauf und einem glatten Flintenlauf. Wie die Bockbüchsflinte vereint sie Kugel- und Schrotschuss in einer Waffe; die Läufe sind jedoch wie bei der Doppelflinte nebeneinander angeordnet.
Burg
Die Behausung des Bibers. Der Eingang liegt unter Wasser, der Wohnkessel darüber im Trockenen – gebaut aus Ästen und Schlamm. So bleibt der Zugang auch bei Eis frei und für Feinde unerreichbar.
Burgstall
Ein Fährtenzeichen beim Hirsch: die Erhöhung im Trittsiegel zwischen dem Abdruck der Ballen und dem der Schalen. Sie gehört zu den Merkmalen, an denen sich das Geschlecht ansprechen lässt.
burren
Das geräuschvolle, schwirrende Abstreichen der Rebhühner. Das plötzliche Burren einer aufstehenden Kette ist typisch für die Hühnerjagd im Feld und verrät die Vögel oft, noch bevor der Jäger sie eräugt.
Bürzel
Bürzel, auch Pürzel, heißt der Schwanz von Schwarzwild, Dachs und Bär; beim Federwild bezeichnet das Wort die hintere obere Rückenpartie über der Schwanzwurzel. Die Bürzelhaltung des Schwarzwildes kann auf Erregung hinweisen, ist aber kein eindeutiger Stimmungsanzeiger.
buschieren
Das Absuchen niederer Deckung mit kurz suchenden Stöber- oder Vorstehhunden unter der Flinte. Beim Buschieren arbeitet der Hund in Schrotschussweite vor dem Jäger, etwa in Hecken und Feldgehölzen, im Unterschied zum weiträumigen Stöbern.
Jagdsignale hören und lernen – die App
Alle Jagdhornsignale und Tierstimmen lassen sich in der App anhören – dazu Prüfungstrainer, Favoriten und Offline-Nutzung im Revier.
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